Woher-wir-kommen

Wiebke Ostermeier / Landeskirche Hannovers

Woher wir kommen

Unsere Geschichte

Über 100 Jahre prägen das Gemeindeleben. Wir nehmen Sie mit auf eine Entdeckungsreise durch die Vergangenheit der Christusgemeinde.

1500 bis 1900

1542 führte Bugenhagen die Reformation in Hildesheim ein. Aber der Moritzberg blieb katholisch. Die wenigen Evangelischen mussten zur Martinikirche (heute Roemer- und Pelizäus-Museum) zum Gottesdienst gehen.

Eine stärkere evangelische Besiedlung des Moritzberges setzte erst nach der Säkularisierung (1802 – Hildesheim wird preußisch) und Industrialisierung ein.

1842 wurde auf dem Moritzberg erstmals eine evangelische Schule eingerichtet. Doch schon am Ende des 19. Jahrhunderts gab es mehr evangelische als katholische Christen auf dem Moritzberg.

Dieses schnelle Wachstum führte zur Gründung der Christuskirchengemeinde. Sie wurde 1899 mit der Abtrennung von der Michaelisgemeinde selbstständig.

1900 bis 1982

Am 7.2.1904 wurde die Christuskirche geweiht. August Witte war der erste Pastor dieser Gemeinde.

1907 wurden das Pfarrhaus und das Küsterhaus (Gemeindehaus) gebaut. Die Einrichtung einer "Diakonissenstation" und einer "Kinderbewahranstalt" zeugt vom sozialen Engagement der jungen evangelischen Gemeinde.

1928 wurde Dr. Herbert Riege Pastor in der Gemeinde. Er war Mitglied der NSDAP und gründete den Ortsverein der Deutschen Christen in Hildesheim, deren Religionsideologie er vertrat. Seine politische Gesinnung führte dazu, dass sich einige Gemeindeglieder anderen Hildesheimer Gemeinden zuwandten.

Während des Krieges wurde die Kirche zeitweise als Lager für russische und polnische Kriegs-gefangene umfunktioniert und wurde erst 1950 wieder seinen eigentlichen Zwecken als Gotteshaus zugeführt.

Ab 1950 war Heinz Bauer als Pastor in der Christuskirche tätig. In seine Amtszeit fielen viele Bauprojekte: das Christophorusstift (Seniorenheim), der Umbau des Gemeindehauses, die Auferstehungskapelle auf dem Friedhof und die Renovierung der Kirche.

Die Turmuhr unserer Christuskirche auf dem Hildesheimer Moritzberg

Eine Rarität und ein wahres Schmuckstück unserer Kirche ist die Turmuhr, die seit der Kirchweihe 1904 unverändert zuverlässig den Moritzbergern die Uhrzeit anzeigt und zum Gebet ruft.

Sie stammt aus der Werkstatt der in Liebhaberkreisen bekannten Großuhrenfabrik F.A. Beyes, die 1863 in Hildesheim gegründet wurde, sich damals in der Osterstr. 13/14 befand und deren Produkte auf den Weltausstellungen in Wien 1873, in Melbourne 1881 sowie auf mehreren Provinzial-Ausstellungen prämiert worden sind.

Das Hauptuhrwerk besteht aus einem Gehwerk sowie einem Viertelstundenschlagwerk und einem Stundenschlagwerk. Davon getrennt, aber auf gleichem Gestell steht ein Betschlagwerk. Alle drei Schlagwerke sind mit einer Schlossscheibensteuerung ausgestattet, die im Gegensatz zu einer Rechen- oder Staffelscheibensteuerung typischerweise vom Gehwerk der Uhr entkoppelt ist. Bei fehlerhafter Bedienung kann es daher zu einem Verlust der Synchronisation, d.h. zu Abweichungen zwischen Schlag und Anzeige kommen. Und das dann sehr zum Befremden der Anwohner.

Das Gehwerk, dessen Geschwindigkeit durch den Takt eines Pendels geregelt wird, treibt über ein Gestänge die Zeiger der Zifferblätter an jeder der vier Turmseiten an und ist verantwortlich für das Auslösen der Schlagwerke. Das Viertelstundenschlagwerk löst alle 15 Minuten aus (1. Viertelstunde ein Schlag, 2. Viertelstunde zwei Schläge, 3. Viertelstunde drei Schläge, 4. Viertelstunde vier Schläge) und schlägt die im Ton höchste Glocke an. Das Stundenschlagwerk löst jede volle Stunde nach dem Viertelstundenschlagwerk aus (1:00/13:00 Uhr ein Schlag, 2:00/14:00 Uhr zwei Schläge, ….. , 12:00/24:00 Uhr zwölf Schläge) und schlägt die in der Tonhöhe mittlere der drei Glocken an. Das Betschlagwerk löst um 8:00 Uhr morgens, um 12:00 Uhr mittags und um 18:00 Uhr abends aus und schlägt nach den Stundenschlägen zum Beten des Vaterunsers mit neun langsamen Schlägen die im Ton tiefste Glocke an. Was man in der katholischen Kirche als Angelus-Läuten bezeichnet, ist in der evangelischen Kirche das Vaterunser-Läuten. Der erste Schlag entspricht der anfänglichen Anrufung Gottes im Vaterunser, die folgenden sieben Schläge den sieben Bitten im Vaterunser und der neunte Schlag dem Lobpreis Gottes am Schluss des Vaterunsers.

Sowohl das Gehwerk als auch die drei Schlagwerke werden durch an Drahtseilen hängende Gewichte angetrieben. Um die Uhr zum Laufen zu bringen, muss sie also aufgezogen werden, d.h. durch Drehen der vier Walzen muss jedes der Drahtseile aufgewickelt und damit die Gewichte nach oben gezogen werden. Und da die ursprüngliche Uhr bisher nicht verändert wurde, erfolgt dieses Körperkraft voraussetzende Aufziehen immer noch wöchentlich einmal mittels einer Kurbel von Hand. Das scheint zunächst anachronistisch zu sein. Man kann es jedoch auch vom Standpunkt unseres Küsters her betrachten: „So ein Kleinod rüstet man doch nicht auf einen elektrischen Antrieb um, damit man es etwas bequemer hat.“

Jürgen Schreiner

1983 bis 2002

Als Seelsorger folgte Pastor Siegfried Markert im Jahr 1983. Zahlreiche Bibel- und Glaubensseminare belebten das kirchliche Leben der Gemeinde.

1987 begann die Partnerschaft mit der Gemeinde Leipzig-Gundorf. Auch die Unterstützung afrikanischer Missionare hat in dieser Zeit ihren Ursprung.

1992 musste die Kirche erneut dringend saniert und renoviert werden. Durch die neugotische Bauweise wirkten große Kräfte auf die Seitenmauern. Dadurch traten größere Risse auf. Eine Stahlkonstruktion sollte das Dach stärken. Außerdem wurde die ursprüngliche Bemalung von 1904 wieder hergestellt - äußerst zeitaufwendig!

2002 bis 2020

Auf Pastor Siegfried Markert folgte im Jahr 2002 Pastor Gerd Meyer-Lochmann als Seelsorger der Gemeinde. Wie sein Vorgänger legte er viel Wert auf ein lebendiges Gemeindeleben. Auch in seine Amtszeit fielen viele Glaubenskurse und Seminare. Dabei wurden durch verschiedene Projekte einige neue Akzente gesetzt (z.B. Kino und Kirche, Literatur- und Männergottesdienste). Darüber hinaus wurde das regelmäßige Kirchenkaffee im Anschluss an die Gottesdienste eingeführt.

In der Konfirmandenarbeit wurde ab dem Jahr 2012 noch stärker als zuvor der Fokus auf Freizeiten und Workshops gelegt.

In die Amtszeit von Pastor Meyer-Lochmann fielen auch mehrere Umbauten und Restaurierungsarbeiten an der Orgel (2004, 2010 und 2016) an. Am Kirchengebäude mussten aufgrund von Rissen am Gewölbe immer wieder einzelne Renovierungsarbeiten durchgeführt werden.